Finanzierung

Liquidität ist ein wichtiger Begriff aus der Betriebswirtschaftslehre (BWL) und sollte für jeden Unternehmer höchste Priorität haben. Ein liquider Betrieb kann seinen Zahlungsverpflichtungen fristgemäß und in voller Höhe nachkommen. Das bedeutet, dass sowohl die laufenden Kosten wie Gehälter oder Miete als auch fällige Zinsen und Ratenzahlungen für Kredite jeden Monat pünktlich bezahlt werden können. Dazu muss die Firma über ausreichende Liquidität in Form von Guthaben in der Kasse oder auf dem Bankkonto beziehungsweise durch Kreditlinien verfügen. Wenn das Guthaben nicht ausreicht, besteht ein Liquiditätsengpass. Die Liquiditätslücke kann verschiedene Gründe haben und durch entsprechende Maßnahmen verhindert werden. Welche Hilfsmittel Ihnen zur Verfügung stehen und wie Sie einen Liquiditätsengpass frühzeitig erkennen, berechnen und vermeiden, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Liquiditätsengpass: Definition

Ein Betrieb befindet sich in einem Liquiditätsengpass, wenn bei Fälligkeit nicht alle Zahlungsverpflichtungen erfüllt werden können. Häufig zeigen sich die Liquiditätsprobleme in geplatzten Lastschriften, die von der Hausbank nicht eingelöst werden. Entweder reicht das Guthaben auf dem Geschäftskonto nicht aus oder der Kontokorrentkredit ist schon voll ausgeschöpft. Auch Eingangsrechnungen, bei denen das Zahlungsziel erreicht ist und die der Betrieb nicht bar oder per Überweisung bezahlt, weisen auf Liquiditätsprobleme hin.

Wenn es sich nur um eine kurzfristige Liquiditätslücke handelt, kann der Schuldner versuchen, einen späteren Zahlungstermin mit den Gläubigern zu vereinbaren. Dauern die Zahlungsprobleme jedoch länger an, nimmt der Ruf der Firma Schaden. Außerdem stuft die Bank die Bonität herab, was sich negativ auf zukünftige Kreditverhandlungen und Gespräche mit neuen Geschäftspartnern auswirken kann. Um diese Probleme zu vermeiden, sollten sich vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit dem Thema Liquidität befassen und über die Ursachen für einen Liquiditätsengpass informieren. Nur so kann die Geschäftsleitung Lücken in der Liquidität früh genug erkennen und überbrücken.

Ursachen für einen Liquiditätsengpass

Sowohl das Unternehmen selbst als auch Dritte können die fehlende Liquidität verursachen. Daher unterscheidet die Betriebswirtschaftslehre zwischen internen und externen Gründen für einen Liquiditätsengpass. Häufig handelt es sich in der Praxis um eine Mischung aus externen und internen Gründen, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Externe Gründe:

  • nicht fristgemäße Kundenzahlungen
  • hohe Außenstände bei bonitätsschwachen Schuldnern
  • unerwartete Umsatzeinbrüche durch höhere Gewalt wie Krieg oder Pandemie
  • erschwerte Kreditvergabe durch strenge Vorgaben der Banken

Interne Gründe:

  • fehlende Kontrolle der Zahlungseingänge
  • keine Bonitätsprüfung von Neukunden, da kein ausreichendes Forderungsmanagement vorhanden
  • zu hohe Ausgaben für Lagerbestand und Vorräte
  • zu geringe Gewinnmarge

Liquiditätsengpass überbrücken: Welche Maßnahmen gibt es?

Um einen Liquiditätsengpass zu überbrücken, gibt es verschiedene Hilfsmittel, die Unternehmen einsetzen können. Die Verfahren lassen sich in diese drei Kategorien einordnen:

  1. liquide Mittel zur Verfügung haben
  2. Kosten senken
  3. Außenstände reduzieren

Ein ausreichendes Guthaben auf dem Geschäftskonto kann durch einen stabilen Cashflow und eine ausreichende Kreditlinie erreicht werden. Falls die Kunden nach einem Zahlungsziel fragen, bietet sich der Verkauf der offenen Forderungen an einen Factoringanbieter an. Der Forderungsverkauf löst gleichzeitig die anderen Probleme: Durch den Verkauf der Forderungen erhöht sich die Eigenkapitalquote in der Bilanz. Das sorgt für eine bessere Bonität, die ein Betrieb für einen Bankkredit benötigt. Wenn der Factor beim Full Service Factoring außerdem das Forderungsmanagement übernimmt, spart der Verkäufer Lohnkosten. Zusätzlich reduzieren sich die Außenstände und das Ausfallrisiko geht auf den Factoringanbieter über.

Neben dem Verkauf offener Forderungen können KMU weitere Lösungen zur Steigerung und Stärkung der Liquidität nutzen:

  • langfristige Zahlungsziele mit Lieferanten vereinbaren oder
  • Rechnungen sofort unter Abzug von Skonto bezahlen
  • Maschinen und Fahrzeuge leasen statt kaufen
  • Kosten für Dienstreisen, Marketing und andere Ausgaben reduzieren

Damit die verschiedenen Maßnahmen erfolgreich sind, sollte eine Liquiditätslücke schnell auffallen. Außerdem sollte die Geschäftsleitung den Finanzbedarf genau berechnen können.

Liquiditätsengpass berechnen

Die einfachste Formel, um eine Liquiditätslücke zu berechnen, sieht wie folgt aus:

  • Betriebseinnahmen plus Barvermögen minus Betriebsausgaben gleich Liquiditätsbedarf


Wenn die Betriebsausgaben höher sind als die Einnahmen und das Barvermögen zusammen, zeigt sich ein Liquiditätsengpass an. Für eine genauere Berechnung kann die Liquidität ersten, zweiten und dritten Grades nach diesen Formeln berechnet werden:

  • Liquidität 1. Grades: liquide Mittel geteilt durch kurzfristige Verbindlichkeiten. Der empfohlene Wert für eine gesunde Liquidität liegt bei mindestens 20 %.
  • Liquidität 2. Grades: liquide Mittel plus Wertpapiere plus kurzfristige Forderungen geteilt durch kurzfristige Verbindlichkeiten. Hier sollte das Ergebnis 100 % ausmachen.
  • Liquidität 3. Grades: liquide Mittel plus kurzfristige Forderungen plus Vorräte geteilt durch kurzfristige Verbindlichkeiten. Bei einem Ergebnis von 200 % gibt es keine Liquiditätsprobleme in dem Betrieb.


Um die genauen Zahlen zu kennen, die in die einzelnen Formeln eingesetzt werden müssen, sollte die Finanzbuchhaltung der Firma laufend sein. Wenn sich ein Unternehmer regelmäßig mit den Zahlen beschäftigt oder sich von einem Steuerberater helfen lässt, kann er eine Liquiditätslücke rechtzeitig erkennen oder von Anfang an vermeiden.

Liquiditätsengpässe von Anfang an vermeiden

Als Unternehmer sollten Sie die Liquidität jederzeit im Blick haben. So erkennen Sie eine Liquiditätslücke rechtzeitig und oder können im besten Fall von Anfang an etwas dagegen unternehmen. Ansonsten können die Liquiditätsprobleme zu ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten führen oder sogar für die Insolvenz Ihrer Firma sorgen.

Hier einige Hilfsmittel, um die Ursachen für fehlende Liquidität zu entdecken und einen kurzfristigen Engpass zu überbrücken:

  • nur bonitätsstarken Kunden ein Zahlungsziel einräumen
  • Rechnungen direkt beim Verkauf ausstellen und den Käufern mitgeben oder zusenden
  • Zahlungseingänge regelmäßig prüfen und rückständige Schuldner zeitnah anmahnen
  • nicht vor Inkassomaßnahmen zurückschrecken, falls ein Kunde die Zahlung verweigert
  • Eingangsrechnungen schnell bezahlen, um Skonto auszunutzen
  • für kurzfristigen Finanzbedarf eine Liquiditätsreserve aufbauen
  • außerplanmäßige Ausgaben für Reparaturen oder Steuernachzahlungen mit einberechnen
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