Reverse Factoring

Liquidität für Unternehmen und Lieferanten

Das Reverse Factoring ist auch unter der Bezeichnung Einkaufs- oder Lieferantenfactoring bekannt. Es handelt sich bei dieser Variante des Factorings um eine Vorfinanzierung der Forderungen eines Unternehmens gegenüber seinem Lieferanten. Durch das Reverse Factoring können Unternehmen die Liquidität ihrer Lieferanten sicherstellen.

Vorteile des Reverse Factorings

Vorteile für Unternehmen:

  • Günstige Liquidität durch langfristige Zahlungsziele
  • Gewährung von Skonti und Rabatten aufgrund sofortiger Lieferantenbezahlung
  • Gute Verhandlungsposition gegenüber Lieferanten
  • Keine Bankverbindlichkeiten, sondern Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung
  • Keine Abhängigkeit von Kreditinstituten

Vorteile für Lieferanten:

  • Erstattung der Lieferungen innerhalb von zwei bis drei Werktagen
  • Kann somit den Verpflichtungen gegenüber Vorlieferanten zeitgerecht nachkommen
  • Schutz vor möglichen Zahlungsausfällen
  • Unkomplizierteres Exportgeschäft
  • Je nach Vertragskonstellation ohne Kostenaufwand für Lieferanten
  • Bilanzentlastung durch echten Forderungsverkauf

Abläufe beim Einkaufsfactoring

Beim Reverse Factoring kauft die finanzierende Factoringgesellschaft die Verbindlichkeiten eines Unternehmens gegenüber seiner Lieferanten ab. In der Praxis nimmt das Unternehmen die Ware oder Dienstleistung seines Lieferanten verbindlich ab und bestätigt dies gegenüber der Factoringgesellschaft. Die Factoringgesellschaft erstattet dann den Rechnungsbetrag unter Berücksichtigung von Skonto unmittelbar an den Lieferanten. Dies geschieht in der Regel innerhalb von 48 Stunden nach Bestätigung der Abnahme.

Vertraglich verpflichtet sich die Factoringgesellschaft gegenüber dem Unternehmen zum Ankauf und der Vorfinanzierung dessen Lieferantenverbindlichkeiten. Der entsprechende Lieferant schließt mit der Factoringgesellschaft einen Vertrag, der die Forderungen zum Gegenstand hat.

Sobald die Ware geliefert oder die Dienstleistung erbracht worden ist und der Lieferant seine Rechnung erteilt hat, muss das Unternehmen die korrekte Abrechnung überprüfen und der Factoringgesellschaft eine Auszahlungsbestätigung übermitteln. Nach Eingang dieser Bestätigung bezahlt die Factoringgesellschaft die Rechnung unter Berücksichtigung von Skonto. Das Unternehmen bezahlt hingegen erst zur vereinbarten Fälligkeit die vollständige Rechnungssumme an die Factoringgesellschaft. Wer letztendlich von den Differenzen zwischen Rechnungssumme und Summe nach Skonti profitiert, hängt von individuellen Vertragskonstellationen ab.

Unterschiede zum klassischen Factoring

Im Gegensatz zu anderen Factoringvarianten kommt es beim Reverse Factoring auf die Bonität des einen Unternehmens – und nicht von mehreren Kostenschuldnern – an. Dadurch lassen sich potenzielle Risiken eingrenzen. Das Kreditrisiko entspricht beim Reverse Factoring also dem Ausfallrisiko des Unternehmens.

In Hinsicht auf die Bilanz sollte ein Reverse Factoring immer vorab mit dem Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer abgeklärt werden. Hierbei kommt es auf die richtige Einordnung der unternehmerischen Verbindlichkeiten an, die Auswirkungen auf die Bilanz haben können. Insbesondere dann, wenn bereits eine Kreditfinanzierung für Betriebsmittel besteht, sollte eine Überprüfung der Auswirkungen auf die Berechnung von Finanzkennzahlen und Einhaltung allgemeiner Verhaltenspflichten durchgeführt werden.



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