Lohnt sich Factoring auch für Handwerksbetriebe?

Für das Factoring fallen Gebühren und Zinsen an, die von Factor zur Factor unterschiedlich hoch ausfallen. Dennoch hat sich die alternative Finanzierungsmethode mittlerweile auch im Mittelstand etabliert, wobei sich auch einige Factoringgesellschaften auf die Betreuung von Handwerksbetrieben spezialisiert haben.

Zinsen meist günstiger als Kontokorrentkredit

Die Factoringzinsen ähneln in ihrem Prinzip den Zinsen, die für einen Kontokorrentkredit gezahlt werden müssen. Die Factoringgesellschaft bezahlt zwar 80 % bis 90 % der Handwerkerrechnung unmittelbar nach Rechnungsstellung, aber für den Zeitraum bis zur endgültigen Zahlung durch den Kunden berechnen Factoringgesellschaften entsprechende Zinsen.

In der Regel liegen diese Zinsen jedoch deutlich unter dem Niveau der Kontokorrentkonditionen. Sie basieren auf der Bonität des Betriebes und werden mit einem Aufschlag zwischen 1 % und 3 % auf den Euribor als Basiszins errechnet.

Factoringgebühren – was inklusive sein sollte

Die eigentlichen Factoringgebühren liegen bei vielen Factoringgesellschaften zwischen 0,1 % und 2 % der veräußerten Rechnungsbeträge. Idealerweise sind darin Kosten für Bonitätsprüfungen von Kunden, Bearbeitungsgebühren, Kosten für das Mahnwesen und der Schutz gegen Zahlungsausfälle bereits enthalten. Insbesondere die Absicherung vor dem Risiko, dass Kunden ihre Rechnungen gar nicht ausgleichen, kann in der Praxis einen mehr als hohen Stellenwert haben und für Sicherheit sowie Flexibilität Sorge tragen.

Es wird jedem Interessenten angeraten, genau zu überprüfen, welche Kosten und Gebühren von der Factoringgebühr abgedeckt sind. Gleiches gilt für einmalige Kosten, die häufig zu Beginn der Geschäftsbeziehung als Einführungsgebühr berechnet werden. Seriöse Factoringgesellschaften wirtschaften transparent sowie fair und geben gerne Auskunft über ihre jeweiligen Konditionen.

Factoring lohnt sich insbesondere bei längeren Zahlungszielen

Bis zu 5 % vom Umsatz kann Factoring kosten, was zunächst verhältnismäßig hoch erscheint. Für Handwerksbetriebe mit zuverlässigem Kundenstamm und kurzen Zahlungszielen erscheint bei Liquiditätsengpässen die kurzfristige Nutzung eines Kontokorrentkredites mit relativ niedrigem Zins günstiger. Wenn Betriebe jedoch ihren Kunden für eine bessere Kundenbindung entgegenkommen möchten und das Zahlungsziel von 14 Tagen auf 30 Tage verlängern, sieht das Rechenbeispiel schon ganz anders aus.

Natürlich kommt es auch auf die Konditionen und die Nutzung des Kontokorrentkredites an. Je intensiver der Kredit genutzt und vielleicht sogar mehr als ausgeschöpft wird, desto interessanter wird je nach vereinbartem Zinssatz für den Kontokorrent sowie die Überziehung auch das Factoring.

Handwerksbetriebe, die auf zahlreiche Lieferungen von Materialien und Teilen angewiesen sind, profitieren noch deutlicher vom Factoring: Durch die zügig gewonnene Liquidität können Lieferantenrechnungen schneller ausgeglichen und dadurch Skonti gezogen oder Rabatte gewährt werden. Bei einem hohen Wareneinsatz und den Lieferantenkonditionen machen sich diese Transaktionen mit ein wenig Verhandlungsgeschick sicherlich auch wirtschaftlich bemerkbar.

Factoring für Wachstum nutzen

Handwerksbetriebe können das Factoring auch dazu nutzen, die kontinuierliche Liquidität für Betriebserweiterungen, Expansionen oder Fusionen zu nutzen. Die Kreditlinie bei der Hausbank kann dann als Reserve dienen, um notwendige Investitionen zu tätigen oder das Betriebsgelände zu vergrößern.

Alles in einem ist Factoring auch für Unternehmen aus dem Handwerk interessant, führt zu Liquidität sowie Sicherheit vor Zahlungsausfällen und sollte im Vergleich zu den aktuellen Kontokorrentkonditionen genauer analysiert werden.



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